Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.

Tornesch vor 33 Jahren: Lindenweg/Ecke Ahrenloher Straße

 

Foto: Archiv Kulturgemeinschaft

 

Wo 1972 noch das U-förmige Gebäude des Tornescher Hofes stand, parken heute die Besucher des Supermarktkomplexes am Lindenweg. Auch die in der Bildmitte sichtbare große Lagerhalle, 1967 von der Raiffeisenbank errichtet, ist beim Neubau des Supermarktes Minimal Anfang der 1980er Jahre abgerissen worden. Das am vorderen Bildrand liegende Gebäude der Raiffeisenbank ist inzwischen durch Um- und Anbau der Volksbank Pinneberg-Uetersen eG erweitert worden. Der kommunale Kindergarten der Gemeinde Tornesch, der 1972 noch im vorderen Teil des Tornescher Hofes untergebracht war, schloss kurze Zeit später. Ein Neubau unter der Trägerschaft des DRK in der Friedlandstraße ersetzte ihn. 25 Jahre lang beheimatete der Tornescher Hof die ganztägig geöffnete Einrichtung.

 

Der Tornescher Hof selbst stand an dieser Stelle seit über 400 Jahren. Schon in der Karte des Daniel Frese von 1588 ist er verzeichnet. Zunächst ein reetgedecktes Bauernhaus, dann nach 1876 der nach amerikanischem Vorbild neu errichtete abgebildete Nachfolgebau. Die Ländereien des Tornescher Hofes reichten ursprünglich von der Norderstraße bis zur Friedlandstraße und umfassten das ganze heutige Zentrum von Tornesch. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 war ein Großteil der Ländereien verkauft und aufgeteilt worden. Die Industrie, welche sich am Bahnhof angesiedelt hatte, hatte den Zuzug von Arbeiterinnen und Arbeitern und in Folge auch Handwerksbetriebe nach sich gezogen. Die Wilhelmstraße, Uetersener Straße und Friedrichstraße wurden auf ehemaligen Hofland einheitlich bebaut. Die Landwirtschaft des Jahrhunderte alten Hofes wurde aufgegeben. 1941 übernahm die Spar- und Darlehnskasse (Raiffeisenbank) das alte Gebäude des Tornescher Hofes. Im Krieg diente der mit Stacheldraht umzäunte Komplex zunächst noch als Lager für russische Kriegsgefangene. Ein altes Holzschild, welches im Archiv der Kulturgemeinschaft aufbewahrt wird, zeugt noch davon. Nach dem Krieg nutzte die Raiffeisenbank die Räume als Lagerfläche, wobei im Gebäude für einige Zeit auch die Volksküche und viele Flüchtlinge untergebracht waren.

 

Ein Blick auf die Bebauung des Lindenweges zeigt 1972 auf der linken Seite noch eine einreihige Bauweise. Dahinter befanden sich die Flächen der alteingesessenen Tornescher Baumschule Struck. Diese „Strucksche Koppel“ wurde in den Jahren nach 1998 bebaut. In dem jüngsten Tornescher Neubaugebiet befinden sich heute eine große Parkfläche mit Spielgeräten und der Bewegungskinderkarten am Merlinweg.