Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.

 

 

 Fritz Kunstmann (1889-1973), späterer Bürgervorsteher der Gemeinde Tornesch, war bereits im Dezember 1945 von den Briten als Gemeindevertreter eingesetzt worden. Er blieb in der Kommunalpolitik bis 1970 und erhielt zu seinem 80. Geburtstag 1969 das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Tornesch verliehen. (Foto Christel Hauenstein)

 

Demokratischer Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

 

Zwölf Jahre nationalsozialistische Herrschaft ohne demokratische kommunale Vertretung lagen bei Kriegsende im Mai 1945 auch hinter der Tornescher Bevölkerung. Wie sah der demokratische Neubeginn vor Ort aus?

 

Im Dezember 1945 wurde eine neue Gemeindevertretung durch die britische Militärregierung eingesetzt. Bevor gewählte Vertretungen zugelassen wurden, sollten die ernannten Gemeindevertreter zunächst beweisen, dass sie in der Lage waren, die örtlichen Belange zu regeln. Die Vertretung bestand aus 18 Gemeindevertretern und dem Bürgermeister. Die von der Besatzungsmacht berufenen Männer, es war keine Frau darunter, durften keiner NSDAP-Organisation angehört haben. Die Protokolle der Sitzungen mussten der Militärregierung zur Kenntnisnahme und Genehmigung vorgelegt werden. Keine in der Versammlung beschlossene Maßnahme durfte ohne Genehmigung vollzogen werden. Die Sitzungen der Gemeindevertretung waren in der Regel öffentlich. 20 Zuhörer nahmen beispielsweise an der Versammlung Ende August 1946 teil.

 

Am 15. September 1946 wurde dann die erste demokratische Nachkriegswahl der Kommunalvertretung durchgeführt. Insgesamt waren rund 3.520 Wählerinnen und Wähler zur Wahl aufgerufen. Sieben Gemeindevertreter, die im Dezember 1945 von der Militärregierung in den Rat berufen worden waren, führten ihre Tätigkeit nun gewählt fort, darunter der Maurerpolier Fritz Kunstmann. Neben zwei CDU-Abgeordneten saßen im Rat 13 SPD-Vertreter. Erst im Februar 1947 zog mit der 49-jährigen Ahrenloher Hausfrau Agnes Neumann, geb. Gillner, auch eine Frau in die Tornescher Gemeindevertretung ein.