Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.

 

 

 Aufräumungsarbeiten nach dem Bombenabwurf am Goldenen Stern im August 1944. Vorn links Lehrer Willi Iwan, rechts Postmeister Rönnau. Neben Erwachsenen wurden auch Kinder und Jugendliche zum Aufräumen verpflichtet.

 (Foto Lisa Neumann)

Vor 60 Jahren:  Bombenabwurf am 26. August 1944 am Goldenen Stern

 

Die Gemeinde Tornesch gehörte im Zweiten Weltkrieg zum Bereich der luftgefährdeten Gebiete. Gründe hierfür waren die Nähe zur Großstadt und die durch Tornesch führende Bahntrasse. In den acht Monaten von Mai bis Dezember 1940 gab es 105 mal in der Gemeinde durch englische Flieger ausgelösten Fliegeralarm. Jede zweite oder dritte Nacht mussten die Einwohner die Luftschutzkeller oder auch Erdlöcher im Garten aufsuchen. Im Oktober 1941 retteten sich 14 Personen eines durch Bombenangriff zerstörten Hauses am Schäferweg mit dem Beil durch das Kellerfenster.

 

Die ersten Zivilopfer in der Gemeinde Tornesch waren im August 1944 zu beklagen. In der Nacht vom 26. auf den 27. August 1944 fiel eine Sprengbombe vor dem Haus Dierks im Großen Moorweg Höhe Goldener Stern. Das Haus Dierks und die gegenüberliegenden Häuser Ohe/Bruhn und  Kampe wurden vollkommen zerstört. Die Häuser Dreyer, Thien, Göttsche sowie das Bahnhaus erlitten starke Beschädigungen. Familie Göttsche überlebte in einem Erdloch im Garten. Es wurden bei dem Bombenabwurf neun Personen, darunter vier Kinder, getötet und 91 Häuser der Umgebung mehr oder weniger beschädigt. Noch in der Kaffeetwiete waren Fenster und Türen durch die Druckwelle der Bombe herausgebrochen worden. Zum Aufräumen der Unglücksstelle wurden die in der Gemeinde auf den Höfen und in Handwerksbetrieben arbeitenden polnischen Zwangsarbeiter verpflichtet. Auch die Einwohner waren tagelang im Einsatz. Der Chronist der Ahrenloher Schule notierte: „In mehrtägiger Gemeinschaftsarbeit der Esinger u. Ahrenloher Männer u. Knaben wurden die Aufräumungsarbeiten bei den zerstörten Häusern durchgeführt.“ Auch der 11-jährige Bruno Thielemann, Schüler der Esinger Schule, wurde mit seinen Klassenkameraden zur Unglücksstelle abgeordnet. Die Beteiligung an der Trauerfeier am 31. August 1944 auf dem Tornescher Friedhof unter Leitung von Pastor Oppermann war sehr groß.