Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.

Erwerbslose in Esingen: Von 1926 an stieg ihre Zahl


 Im Saal des Tornescher Bahnhofshotels Klappmeyer, hier eine Aufnahme um 1905, traf sich nach 1931 regelmäßig die etwa 100 Personen umfassende Gruppe der Erwerbslosen. Die Gemeinde kam für die Miete des Saales auf.

Foto Lisa Neumann.

 

Arbeitslos  – 1931 unterstützt durch Gruppe und Ausschuss der Erwerbslosen

 

Die Zahl der Erwerbslosen – so der zeitgenössische Begriff - in der Gemeinde Esingen nahm nach dem Ende des Ersten Weltkrieges beständig zu. Die Gesamtzahl im Jahr 1926 belief sich auf 100 Personen, 1932 wurden bereits 223 Erwerbslose gezählt. Betrachtet man die Zahl der damaligen Haushalte – es waren 625 – so wird deutlich, wie viele Familien von Arbeitslosigkeit betroffen waren.

 

Erwerbslosigkeit wurde nicht als individuelles Schicksal begriffen, sondern als Ausdruck der schlechten wirtschaftlichen Lage, die alle traf. Es war leicht, im überschaubaren Ort den Kontakt zu den anderen Erwerbslosen herzustellen, keine Medien schränkten die Kommunikation ein. Die örtlichen Erwerbslosen wuchsen zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Sie trafen sich ab Dezember 1931 regelmäßig im Saal des Tornescher Bahnhofshotels, nachdem der zuvor benutzte Schulraum für die 80 bis 100 Anwesenden zu klein geworden war.

 

Eine größere Abordnung der Erwerbslosen erschien regelmäßig als Zuhörer zu den Sitzungen der Gemeindevertretung. Der Erwerbslosenausschuss machte Eingaben und ergriff öfters das Wort. Es ging um die unmittelbare Existenzsicherung der Betroffenen. Die Grundversorgung mit Wasser war wegen der Zahlungsunfähigkeit vieler gefährdet. Wiederholt wurde der Antrag der Erwerbslosen gestellt, das Wassergeld, welches an Uetersen zu zahlen war, stärker zu subventionieren. Im Februar 1932 kaufte die Gemeinde nach Eingabe der Erwerbslosen für die zerschlissenen Schuhe 200 Paar Sohlenleder bei der Lederfabrik Ludwig Schröder am Baßhorn.

So deutlich machten die Erwerbslosen ihre Stimme geltend, dass die Gemeindevertretung im Juli 1932 beschloss, Einlasskarten für die Gemeindevertreterversammlung auszugeben. Fortan waren nur noch 12 Zuhörer zugelassen, die Öffentlichkeit deutlich eingeschränkt.