Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.


 

Ansicht der Brennerei und Presshefe-Fabrik Tornesch GmbH (Spritfabrik) auf einem Briefkopf von 1910. Das Unwetter von 1925 richtete auch an dem großen, am Tornescher Bahnhof (links) gelegenen Industriebetrieb schweren Schaden an. Foto Archiv Kulturgemeinschaft.

 

Das Jahrhundert-Unwetter 1925

 

Der schwere Gewittersturm am Morgen des 9. Juni 2004 wird bei so manchen Zeitgenossen Kindheitserinnerungen wach gerufen haben. Vor 79 Jahren, am schwülen Nachmittag des 10. August 1925, war ein weitaus schwereres Unwetter über die Marsch, Uetersen, Heidgraben und die Gemeinde Esingen niedergegangen. Die Wolken hingen auch damals so niedrig, dass sie „die Wipfel der hohen Bäume zu berühren schienen“, wie Pastor Oppermann es in der Esinger Kirchenchronik ausdrückte. Der Ahrenloher Jochim Glismann (geb. 1917) berichtet von riesigen Hagelkörnern, die er als Kind in einem Eimer sammelte. Kaum eine Fensterscheibe blieb von den Eiskugeln verschont. Der Esinger Lehrer Wilhelm Matthiessen notierte damals über den Schreckenstag für das Pinneberger Tageblatt:

 

„Auch über Tornesch ging der Hagelschauer. Es ist fast unmöglich, ein solches Unwetter zu beschreiben. Eisstücke (nicht Hagel) von Hühnereigröße und mehr schlugen glatt durch die Fensterscheiben und lagen in der Stube. An der Westseite, besonders in der Friedrichstraße waren alle Fensterscheiben zerschlagen. Auf der Spritfabrik wurde das oberste Dach abgedeckt. (...) Im Garten waren Kürbisse und Gurken buchstäblich zu Brei geschlagen. (...) Ein Eisstück in Heidgraben wog 4 ½ Pfund!“

 

In der Ahrenloher Schulchronik beschrieb der Lehrer überschwemmte Kartoffelfelder, niedergelegtes und ausgedroschenes Korn und schwerste Schäden in den Gärtnereien. Mehrere Personen wurden durch zersplitterndes Glas verletzt und mussten genäht werden.

Der Ortsteil Esingen blieb von den Eisstücken verschont, aber der schwere Sturm entwurzelte hier zahlreiche Bäume und schlug das Obst von den Bäumen. Mehrere Häuser wurden abgedeckt. Seit Menschengedenken war ein solcher Gewittersturm nicht erlebt worden.

 

Die Gemeinde meldete einen Gesamtschaden von 310.200 RM an, darunter fielen die Schäden an den Dächern und an der Ernte besonders ins Gewicht. Die Unwetterkatastrophe von 1925 – im Rückblick können wir dies sagen – war ein Jahrhundert-Ereignis.