Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.

Zehn Stimmen bei der Kommunalwahl 1903 in Esingen

 

 

Der Gasthof Hermann von Hellms (betrieben 1894-1927) war das Wahllokal der Gemeinde Esingen bei der gering besuchten Kommunalwahl 1903. Foto Archiv Kulturgemeinschaft.

 

In der Gemeinde Esingen ist 1893 eine gewählte Gemeindevertretung an die Stelle der früheren Gemeindeversammlung der Hofbesitzer getreten.

 

Gewählt wurde die neunköpfige männliche Gemeindevertretung durch ausschließlich männliche Wähler nach dem preußischen Dreiklassenwahlrecht, einem nach Steueraufkommen gewichteten Wahlmodus. Die niedrigen Steuerzahler konnten, obwohl sie zahlenmäßig in der Mehrheit waren,  insgesamt nur drei Vertreter wählen, so auch die mittleren und die hochbesteuerten. Die Wahl für die Berufung der Gemeindevertreter erfolgte mündlich und für jedermann öffentlich.

 

Im April 1903 fand eine Wahlversammlung im Lokal des Esinger Gastwirts von Hellms, dem späteren Gasthof  Mohnke, statt. Bei der Wahl mussten drei turnusmäßig ausscheidende Gemeindevertreter neu bestimmt werden.

Zunächst wurden die Wähler der dritten Klasse aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Als Wähler war einzig Hans Schröder erschienen. Er trat an den Wahltisch heran und wählte mündlich den bisherigen Gemeindevertreter der dritten Klasse, Jakob Klappmeyer, Wirt des Tornescher Bahnhofshotels. Klappmeyer nahm die Wahl an und gab selbst als Wähler der zweiten Klasse anschließend seine Stimme mit fünf anderen Einwohnern ab. Der bisherige Gemeindevertreter der zweiten Klasse, J. Kröger, erhielt fünf der Stimmen und war gewählt. Die drei Wähler der ersten Klasse, Gemeindevorsteher Wilhelm Sander, Bäcker Johannes Groth und Kaufmann Arthur Cyrus, wählten anschließend einstimmig Bauer Johannes Mölln, den bisherigen Vertreter der ersten Klasse.

 

1907 beteiligten sich bereits 152 Wähler der dritten Klasse an der Wahl, was einer Wahlbeteiligung von etwa 53 % entsprach. Zum Vergleich: Die Wahlbeteilung lag im März 2003 bei der Kommunalwahl in Tornesch bei 54,8 %.