Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.

Die "Dodenfru" - bei Trauerfällen vor 1950 immer dabei

 

 

Das Foto zeigt die alte Tornescher Friedhofskapelle. In der neuen Friedhofskapelle wurden die Aufbahrungen und Trauerfeiern nach 1952 durchgeführt. Die alte Kapelle hatte kaum Platz geboten. (Foto Archiv der Kulturgemeinschaft)

Auf dem Weg zur letzten Ruhe vor 1950

 

Der Wagen mit den zwei schwarzen, mit Trotteln geschmückten Pferden kam die Ahrenloher Straße herauf gefahren Richtung Tornesch. Die Menschen am Straßenrand blieben stehen, die Männer nahmen die Kopfbedeckung ab. Ein Mensch war gestorben.

 

Der Umgang mit dem Tod war vor 1950 ein anderer als heute. Die „Dodenfru“, also die Toten- oder Leichenfrau, kam nach einem Trauerfall ins Haus zum Waschen und Kleiden der Toten, wenn nicht die Familie selbst diesen Dienst verrichtete. In Esingen nahm Anna Dreyer, geb. Semmelhack (1886-1973) die Aufgabe der Totenfrau für den Tischler Heydorn wahr, der traditionell den Sarg herstellte. Die Nachbarschaft nahm Abschied vom Verstorbenen im Trauerhaus. Auch die Kinder gingen am aufgebahrten Sarg vorbei. Der Großvater des Ahrenlohers Peter Kröger wurde 1948 im Stallgebäude für einige Tage aufgebahrt. Mit einem Pferdewagen wurde das ausgeliehene Harmonium aus der Ahrenloher Schule zum Hof transportiert. Auf dem Hof Kröger war es üblich, dass am Tag nach einem Trauerfall „frische Suppe“ gekocht wurde, damit alle Nachbarn und Bekannten versorgt waren, die vorbeikamen, um ihre Trauer zu bekunden.

 

Die Aufbahrung der Toten fand nicht nur auf den Höfen, sondern auch in Wohnhäusern statt, wie beim Tode von Martha Maack in Oha. Die Schlafstube wurde dafür ausgeräumt, die Uhren wurden angehalten, die Spiegel verhängt und Zimmerpalmen wurden in den Raum gestellt. Die Nachbarschaft kam und nahm Abschied. Martha Maack hatte selbst für viele Jahre Trauerkränze aus Haselnussgerten, Thuja und Vogelbeeren in Heimarbeit geflochten. Für die bei ihr bestellten Schleifen mit den Trauersprüchen war sie eigens mit dem Zug zum Hansaplatz nach Hamburg zu einer speziellen Goldprägeanstalt gefahren. Ihr altes Spruchbuch wird im Archiv der Kulturgemeinschaft aufbewahrt.

 

Mit der Errichtung der Friedhofskapelle 1952 auf dem Tornescher Friedhof hörte die Jahrhunderte lange Tradition der mehrtägigen Aufbahrung auf den Höfen und in den Häusern auf.