Straßen in Tornesch – Eine Serie in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft.

Ahrenloherin reiste schon vor 100 Jahren bis nach Südamerika

Die Altonaer Liliputanertruppe Scheuer um 1907 mit der dunkelhaarigen Anna Witt in der Mitte

 (siebte von links).Foto: pr

 

Die 1885 geborene Anna Witt, die kleinwüchsig war, wuchs an der Ahrenloher Straße in einer alten Strohdachkate mit ihrer Mutter und Großmutter auf. Später wohnte sie bis zu ihrem Lebensende um 1957 im Haus Witt neben dem Ahrenloher Denkmal.

 

Vor dem Ersten Weltkrieg trat sie unter dem Künstlernamen Anita Welson singend und musizierend in der bekannten Altonaer Liliputanertruppe Scheuer auf.

 

In den Jahren nach 1900 reiste die „Liliputaner-Gesellschaft“, wie sie sich nannte, durch Europa und nach Übersee. Auf der Fahrt mit dem Segelschoner nach Südamerika lernte die Truppe ihre Rollen und ihre Lieder, die auf spanisch gesungen wurden. Anna Witt spielte zusätzlich Xylophon. Sie fühlte sich in der Truppe wohl und hielt auch später noch Kontakt zu einigen Mitgliedern. Für eine Dörflerin waren die Reisen, die sie bis Hawaii führten, zur damaligen Zeit etwas Außerordentliches. Sie schickte Ansichtskarten und berichtete zu Hause von ihren Erlebnissen. Ahrenloher Kindern brachte sie spanische Liedtexte bei.

 

Das Geld, welches Anna Witt auf ihren Reisen verdient hatte und welches für ihre Rente als Rücklage dienen sollte, verlor sie bei der Inflation 1923. Alle Ersparnisse waren innerhalb kurzer Zeit wertlos geworden. Ein Zubrot verdiente sie sich beim Milchgeschäft Demut „Am Moor“, wo sie die Milchflaschen auswusch. Sie machte sich nützlich, wo sie nur konnte. So versorgte sie im Laufe ihres Lebens viele Kinder, darunter diejenigen der Ahrenloher Lehrerfamilien Thies und Meier und im Zweiten Weltkrieg Kinder auf den Bauerhöfen.

 

Anna Witt, die im Volksmund „Anna Zwerg“ und „Lütt Ann“ genannt wurde, ist eine von 31 Frauen, die von einer Gruppe historisch Interessierter im Tornescher Volkshochschulkurs „Porträts Tornescher Frauen“ porträtiert wurde. Die Porträts sind für einige Wochen in der Tornescher Altentagesstätte in der Pommernstraße ausgestellt.